Kann man Bindung vergüten?

Klare Antwort: Ja! Und ich setzte noch einen oben drauf: Unternehmen müssen heute in Zeiten großer Disruption sogar Verbundenheit vergüten, um zukunftsfähig und stark zu bleiben. Und um das zu tun, bedarf es mehr als Geld: Wenn sich die Organisationen und die Zusammenarbeit in den Unternehmen ändert, dann muss sich auch die Vergütung ändern.

Inhalt:
Verbundenheit braucht eine andere Währung
Agile Arbeit ist gute Arbeit
Wandel der Arbeit: Mitarbeiter binden und Unternehmen stärken
Es gibt keinen Standard-Bauchladen agiler Währungen
Fazit

Gerade die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation, Unsicherheiten insbesondere durch Lieferengpässe, Sanktionen und dadurch wegfallende Märkte, die Nachwirkungen von Corona und die ungebrochen starke Nachfrage nach Fachkräften stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Ist das dann jetzt überhaupt ein Zeitpunkt über das Thema Vergütung nachzudenken? Unbedingt! Denn gerade jetzt ist es doch umso wichtiger, dass Unternehmen auf verlässliche Mitarbeiter:innen vertrauen können: Menschen sind das zentrale Element aller wesentlicher Managementprozesse wie der Produktentwicklung, dem Einkauf, der Finanzierung oder ob es um den Vertrieb oder den Service geht. Dies gilt übergreifend, egal, ob es sich um einen kleinen, einen mittelständischen Betrieb oder einen Konzern handelt. Die Relevanz von engagierten und kompetenten Mitarbeiter:innen für den Erfolg eines Unternehmens ist gerade in Zeiten von Krisen und Wandel so hoch wie nie.

Verbundenheit braucht eine andere Währung

HR erlebt seit der Corona-Krise eine Hochkonjunktur wie lange nicht mehr. Denn gilt es doch den „richtigen, passenden“ Mitarbeitenden zu finden und möglichst lange im Unternehmen halten zu können. Denn je härter der Wettbewerb um Arbeitnehmer:innen umso wichtiger wird der Faktor Verbundenheit zum Unternehmen.

Doch was hält engagierte, kompetente und möglichst auch innovative Mitarbeiter:innen in Unternehmen? Ist es wirklich der Obstkorb, das Jobbike oder der Kindergartenzuschuss?

Nein! Weder Geld noch allein Benefits sind entscheidende Hebel, sich im Zweifel für einen Arbeitgeber zu entscheiden oder bei ihm zu bleiben. Alle jüngsten Umfragen sind sich da ziemlich einig:

Das Geld und auch finanzielle Zusatzleistungen müssen stimmen – doch wesentliche (Entscheidungs-)Kriterien für ein Bleiben oder Gehen sind

  • ein sicherer Arbeitsplatz,
  • flexible Arbeitsbedingungen, insbesondere Zeit und Ort,
  • die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln,
  • teamorientiertes Arbeiten.

Damit stimmen diese Bedürfnisse von Mitarbeiter:innen exakt auch mit den Zielen von Unternehmen überein, die mit New Work oder neuen Arbeitsformen wie sie z.B. insbesondere durch agile Zusammenarbeit erreicht werden sollen:

  • Zukunftsfähigkeit und damit Erfolg und Sicherheit,
  • Anpassungsfähigkeit,
  • Innovation und Weiterentwicklung,
  • agiles, vernetztes und damit teamorientiertes Arbeiten. 

Agile Arbeit ist gute Arbeit

Genau dort setzt die Intention meiner Überlegungen im Buch Vergütungssysteme gestalten: agil, rechtssicher und nicht-monetär an – und zwar erst recht in der ganz aktuell erschienenen 2. Auflage, die gerade das mobile und hybride Arbeiten noch einmal ganz intensiv beleuchtet. Mir geht es nicht um die „üblichen“ Benefitprogramme oder Goodies wie Dienstwagen, Sportstudio oder eben den Obstkorb.

Es geht mir darum, dass wir ein Verständnis in Unternehmen für „Währungen“ bekommen, die positiv auf menschliche Bedürfnisse wirken. Und die im besten Sinne Bindung (retention), Beziehung,  Zusammenhalt schaffen und damit also einerseits auf persönliche Bedürfnisse „einzahlen“ und andererseits aber auch Unternehmen zukunftssicher, wettbewerbsfähig und am besten auch erfolgreicher machen.

Wir haben zudem alle erlebt, wie Corona unsere Organisationsformen in Unternehmen radikal verändert hat: Mobiles Arbeiten und Homeoffice ist für die überwiegenden Arbeitnehmer:innen nicht mehr wegzudenken. Unternehmen brauchen also eine gute Strategie, hybrides Arbeiten so bei sich zu verankern, dass Bedürfnisse von Mitarbeiter:innen positiv erfüllt werden und gleichzeitig damit das Unternehmen in seiner Produktivität gestärkt wird. Nur die Bindung der Arbeitnehmer an das Unternehmen bzw. die  Arbeitgeberattraktivität ist oftmals zu kurz gedacht.

Wandel der Arbeit: Mitarbeiter binden & Unternehmen stärken

So herausfordernd die aktuellen Zeiten sind – sie eröffnen uns Chancen nicht nur den Blick auf die »neuen Wünsche« der Beschäftigten zu erweitern, sondern hier insbesondere auch andere, vor allem nicht-monetäre Anreize stärker in den Fokus zu bringen, die diesen Wünschen gerecht werden können. Es bedarf daher der richtigen Mischung aus monetären und nicht-monetären Komponenten, die aktuelle Bedürfnisse und Notwendigkeiten treffen und damit gleichzeitig die Produktivität eines Unternehmens steigern. Für Unternehmen bedeutet dies, wesentlich flexibler zu werden, was ihre Vergütungssystematiken anbelangt.

Insofern bieten sich hier für Unternehmen gerade jetzt neue Chancen, Mitarbeitern Vorteile zu gewähren – also eine Art Währung – die auf die Organisationsgestaltung, bestimmte Arbeitsweisen und besondere Formen der Zusammenarbeit bzw. auch kulturelle Faktoren zurückzuführen sind. Das können agiles Arbeiten, mobiles und hybrides Arbeiten, Innovationslabs, selbstorganisierte Teams, NewPay, flexible Arbeitszeiten, Arbeitszeitautonomie, etc. sein. Es handelt sich also um Vorteile, die man sich mit Geld nicht kaufen kann, die aber dafür entscheidend sein können, ob sich ein Mitarbeiter im Unternehmen wohl fühlt. Und gleichzeitig handelt es sich um „Währungen“, die die Kultur eines Unternehmens stützen und fördern können und Unternehmen damit auf ihrem Weg zu „neuem Arbeiten“ begleiten.

Es gibt keinen Standard-Bauchladen agiler Währungen

Agile Vergütungssysteme sind dabei keine Standardverfahren wie z.B. ein Baukastensystem an geldwerten Vorteilen. Bei agilen Vergütungssystemen geht es um eine bunte Vielfalt von „Währungen“ wie z.B. Arbeitsweisen, Selbstführung, Freiheit, Zeit, Verantwortung… Elemente, die den Bedürfnissen von Arbeitnehmer:innen entsprechen und gleichzeitig auch beim Arbeitgeber entspannt gelebt werden können. Eine win-win-Situation im besten Sinne.

Win-Win ist der „Maßstab“ für agile Vergütungsformen im Buch: jede Währung durchläuft einen Bedürfnischeck hinsichtlich der Interessen von Mitarbeiter:innen als auch von Unternehmen.

Genau das – ein absolut wichtiger Faktor! – stärkt die Bindung an das Unternehmen und zwar für beide Seiten.

Fazit

Ein agiles Vergütungssystem schafft Mitarbeiterbindung durch positive Impulse, durch Wertschätzung, durch eine weiter und neu gedachte Art der Vergütung und dadurch entsteht gemeinsamer Erfolg.

Vergütung, die Beziehung und loyale Bindung fördert, ist viel mehr als Geld.
In einer neuen Arbeitswelt denken wir Vergütung neu und farbenreicher:

Da dürfen sich unterschiedliche Arbeitsorte zu einem „Arbeitsplatz“ zusammenfügen und unterschiedliche Vergütungsformen auf menschliche Bedürfnisse antworten. Sie fördern damit zugleich die Agilität und Selbstorganisation und stärken ihr Unternehmen für die Zukunft.
Gerade und erst recht in hybriden Zusammenhängen.

Quellen/Hinweise:
https://shop.haufe.de/prod/verguetungssysteme-gestalten-agil-rechtssicher-und-nicht-monetaer,
https://www.computerwoche.de/a/was-sich-mitarbeiter-wuenschen,3552253,
https://www.stepstone.de/e-recruiting/blog/benefits-das-wunschen-sich-mitarbeitende/ ,
https://hamburg-news.hamburg/unternehmen/xing-studie-das-wuenschen-sich-arbeitnehmerinnen-fuer-2022</>

NewWork – endlich mit allen Facetten
Mobiles Arbeiten war gestern – Workation ist heute.

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