(Arbeits-)Zeiten des Umbruchs

Arbeitszeit – genauer gesagt die Flexibilisierung der selbigen – beschäftigt sehr viele: Mitarbeiter genauso wie Unternehmen. Gleichzeitig feiern wir in diesem Jahr 30 Jahre Wiedervereinigung. Eine gute Gelegenheit zurückzuschauen, wie „damals“ die Zeit war. Konkret geschaut auf unsere Arbeitszeit gibt es folgendes Bild:

Als die Wiedervereinigung kam, boomte die Wirtschaft in Westdeutschland. Für viele Produkte (Autos, Videorekorder, Konsumartikel,… ) war ein neuer Markt entstanden. Und die Menschen in der alten DDR mussten erleben, wie viele Unternehmen dort nicht weiter existieren konnten, weil sie nicht wettbewerbsfähig waren. Während im Westen die Arbeitszeiten und die Überstunden eher explodierten ging in der ehemaligen DDR in vielen Branchen die Beschäftigung und die geleistete Arbeitszeit immer mehr zurück.

Und heute? 2019? Sind West und Ost wieder einig? Hat auch eine wirtschaftliche Wiedervereinigung schon stattgefunden?

In vielen Branchen mag das der Fall sein, aber nicht in allen. Und erstaunlicherweise lässt sich das gerade am Faktor Arbeitszeit topaktuell festmachen. Denn die IG Metall wollte auch in den „Neuen Bundesländern“ die 35-Stunden Woche in der Metall- und Elektroindustrie durchsetzen und ist wie schon 2003 bei den Arbeitgebern damit nicht auf Gegenliebe gestoßen. Die Verhandlungen haben am 30.9.2019 ein Ende gefunden. Die Arbeitgeber waren gegen die Einführung der 35-Stunden Woche, weil sie die Auffassung haben, dass die Unternehmen in den „Neuen Bundesländern“ damit nicht wettbewerbsfähig überleben könnten.

Ausgerechnet der Faktor Arbeitszeit ist damit ein geeigneter Indikator um festzustellen, dass die vom Grundgesetz angestrebten einheitlichen Lebensverhältnisse immer noch nicht erreicht sind. Auch heute noch – 30 Jahre nach der Wiedervereinigung.

Gleichzeitig haben wir so wenig Arbeitslose wie 1990 oder – wie Zeit online schreibt: „Der Arbeitsmarkt aber trotzt den Hiobsbotschaften – bisher. Im September sank die Zahl der Arbeitslosen auf 2,234 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit am Montag in Nürnberg mitteilte.
Das ist nicht nur der niedrigste September-Stand seit der Wiedervereinigung. Es sind auch 85.000 Arbeitslose weniger als noch im August und 22.000 weniger als vor einem Jahr. Saisonbereinigt – also Spezialeffekte wie den Beginn des Lehrjahres herausgerechnet – steht immer noch ein Minus von 10.000 zu Buche. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Prozentpunkte gegenüber August und liegt mit 4,9 Prozent sogar wieder unter der Fünf-Prozent-Marke.“

Quellen/Hinweise:
https://www.zeit.de/news/2019-09/30/zahl-der-arbeitslosen-im-september-um-85000-gesunken

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